News · Rückblick

The CFO as Master of the System: Rückblick auf unsere Keynote

22. Oktober 2026 · Ismaning bei München

Finance Executive Nexus
Keynote · Transformation Stage
8. Oktober 2026 · Ziegelei 101, Ismaning
Francisco Baraona und Georg Walther — Session-Visual der Nexus-App

Beim Finance Executive Nexus Integrate kamen am 8. und 9. Oktober CFOs und Finance-Teams aus dem DACH-Raum in Ismaning bei München zusammen. Fourangle war als Lösungspartner dabei — und hat die Keynote auf der Transformation Stage beigesteuert: „The CFO as Master of the System — Transformation vor Tool: Die Reihenfolge entscheidet über die Steuerungsfähigkeit“, gehalten von Francisco Baraona.

Wir saßen in der ersten Reihe — und waren ziemlich stolz auf das Ergebnis. Der Vortrag kam an: viel positives Feedback von Teilnehmern direkt im Anschluss, und die Gespräche am Breakout-Tisch drehten sich den restlichen Nachmittag genau um diese Frage — in welcher Reihenfolge baut man Steuerungsfähigkeit auf? Hier die Kernaussagen zum Nachlesen.

31 Prozent — der Einstieg mit Handzeichen

Die Keynote begann mit einer Frage ins Publikum: Wer hat ein ERP-System on time, on budget und on target eingeführt — Termin gehalten, Budget gehalten, voller Leistungsumfang? Nur rund 31 % aller Softwareprojekte schaffen alle drei (Standish Group, CHAOS Report). 69 % verfehlen mindestens eines.

31 %
aller Softwareprojekte sind on time, on budget und on target

Jeder Punkt = 1 von 100 Projekten. 69 % verfehlen Termin, Budget oder Umfang. Quelle: Standish Group, CHAOS Report.

Dass das keine Statistik-Spielerei ist, zeigte der Blick auf öffentlich dokumentierte ERP-Fehlschläge der letzten 25 Jahre — von Lidl über Revlon und Haribo bis Hershey, mit Schäden bis in die Hunderte Millionen. Der Befund quer über alle Fälle: vier Muster, kein Softwarefehler.

Die Kette unter dem magischen Dreieck

Zeit, Kosten, Leistung: Wer eine Ecke zieht, bewegt die anderen zwei. Die eigentliche Frage ist, welche Ecke bewusst nachgibt — und wer das entscheidet.

Leistung Zeit Kosten 100 % in allen drei Ecken gibt es nicht

Das magische Dreieck: Wer eine Ecke zieht, bewegt die anderen zwei. Zielgrößen nach PMBOK Guide (PMI).

Unter dem Dreieck trägt eine Kette — und jeder Pfeil zeigt nur in eine Richtung:

Prozesserzeugt die Daten — gute wie schlechte
→
Datensind so gut wie der Prozess, der sie liefert
→
Systemmacht Daten schneller verfügbar — und erzwingbar
→
Entscheidungist nur so belastbar wie die Kette davor
Das System repariert keinen Prozess.

Wer unklare Verantwortlichkeiten, uneinheitliche Datenmodelle und improvisierte Abschlussprozesse in ein neues System migriert, bekommt dieselben Probleme zurück — nur teurer verpackt. Steuerungsfähigkeit entsteht in der Transformation davor.

Zwei Praxisfälle

Case 1 — Carve-out mit Geschäftsmodellwechsel. Ein GreenTech-Anbieter, per Carve-out aus einem US-Konzern gelöst, bei gleichzeitigem Wechsel vom Hardware- zum SaaS-Geschäft; Ziel: Exit-Readiness in zwei Jahren. Drei Optionen lagen auf dem Tisch:

Option 1 · verworfen
CPQ-Werkzeug kaufen Schnell sichtbar — aber der Katalog beschreibt nur den Ist-Zustand.
Option 2 · verworfen
Salesforce anpassen Kapazität sofort verfügbar — aber die Fachseite bleibt Zuschauer.
Option 3 · gewählt
Vertragsdatenmodell zuerst, Werkzeug danach Acht Wochen, geführt aus der Geschäftsführung — die Toolauswahl danach in Wochen.

Die Commercial Driver jedes Deals wurden zu Pflichtfeldern im CRM — erst dann fiel die Systementscheidung. Der Weg zum Ziel in fünf Schritten:

1Carve-out
→
2Geschäftsmodell
→
3Wertschöpfung
→
4Expansion
→
5 · Exit

Der Transformationspfad aus der Keynote — Ziel: Exit-Readiness in zwei Jahren.

Das Ergebnis:

+160 %SaaS-Umsatz (ARR)
−40 %Fertigungstiefe
Exitnach zwei Jahren, an einen US-Wettbewerber

Case 2 — Kennzahlen bis auf Belegebene. Ein B2B-Software-Anbieter mit drei Gesellschaften, veralteten Finanztools und ohne Kennzahlensystem. Statt zuerst ein System einzuführen, wurde zuerst das Konten-Mapping festgelegt — dann Power BI auf die DATEV-Daten jeder Gesellschaft gesetzt. Jede Kennzahl lässt sich seitdem über vier Ebenen bis zum Beleg aufklappen:

1KennzahlWert im Bericht, je Gesellschaft und Periode
2KontoSachkonto und Kostenstelle
3BuchungDatum, Betrag, Gegenkonto
4Belegdie Rechnung, die die Buchung ausgelöst hat

Erst der Jahresvergleich auf Kontenebene machte eine Fehlzuordnung sichtbar — eine Kostenart lag in den Vertriebskosten statt in den Herstellungskosten, obwohl jede einzelne Buchung formal richtig war. Die Korrektur über Mappingtabellen und neue Buchungsanweisungen machte das Pricing belastbar. Das Ergebnis:

+25 %Umsatz zum Vorjahr
+31 %EBITDA zum Vorjahr

Die gemeinsame Reihenfolge

So unterschiedlich beide Fälle sind — die Reihenfolge war dieselbe:

  1. Entscheidung klären: Welche Entscheidung muss das System stützen? Exit-Readiness in Case 1, belastbares Pricing in Case 2 — das Ziel stand vor dem Werkzeug.
  2. Datenstruktur festlegen: Commercial Driver als Pflichtfelder, Konten-Mapping vor dem Start — Struktur vor System. Das System übernimmt die Struktur, die es vorfindet.
  3. System einführen: Erst jetzt fällt die Systemwahl — und das Tool hat eine klare Aufgabe, statt Lücken zu zementieren.
  4. Ergebnis messen und im Betrieb prüfen: Erst wenn jede Kennzahl bis zum Vorgang zurückführt, werden Kosten, Preise und Umsätze steuerbar.

Im Standard-Vorgehen, das Francisco Baraona daraus ableitet, ist die Systemeinführung ein Gate zwischen Operating Model und Automatisierung: Erst wenn die Entscheidung benannt, der Datenbedarf abgeleitet, der Prozess geschnitten und die Anforderung geschrieben ist, wird eingeführt — agil in der Lieferung, deterministisch in der Abnahme.

1Strategic Review
→
2Operating Model
→
GATE · System einführen
→
3Datenqualität
→
4Automatisierung
Kein schlechter Prozess wird automatisiert — er wird nur schneller schlecht.

Vier Prüffragen für den CFO

Datenhoheit heißt: jede Zahl bis zu dem Vorgang erklären können, der sie erzeugt hat. Die vier Kompetenzen, die Finance dafür braucht, hat die Keynote als Prüffragen formuliert:

Prozessdenken Welcher Vorgang hat diese Zahl erzeugt?
Digitale Kompetenz Rechnet das System die Zahl — oder zeigt es sie nur an?
KI einordnen Wer hat den Vorschlag des Modells geprüft — und wie sicher war es?
In Abweichungen denken Weicht eine Zahl vom Muster ab — welcher Prozess ist anders gelaufen?

Genau diese Reihenfolge prägt auch unsere NetSuite-Projekte: erst Steuerungslogik und Datenmodell, dann Implementierung. Deshalb haben wir diese Keynote mitentwickelt — sie beschreibt, wie wir arbeiten.

Der Referent

Francisco Baraona

Francisco Baraona

CEO · COO · CFO | Transformation & Value Creation · baraona.de

Francisco Baraona ist Executive mit über 15 Jahren C-Level-Führung in PE-geführten und mittelständischen Unternehmen. Seine Schwerpunkte sind Transformation, Turnaround und profitables Wachstum, dazu Finanz- und Steuerungssysteme, Carve-outs, Internationalisierung und Exit-Readiness. Er arbeitet in GreenTech und Energie, B2B SaaS, HealthTech und Industrie.

Als CEO übernahm er ein Technologieunternehmen der erneuerbaren Energien nach dessen Carve-out aus einem US-Konzern, schloss den Aufbau als eigenständiges Unternehmen ab und stellte es vom Hardware- auf ein SaaS-Modell um. Er senkte die Fertigungstiefe um 40 %, gründete Gesellschaften in den USA und Japan und verkaufte das Unternehmen an einen US-Wettbewerber. Bei TÜV SÜD leitete er die globale CFO-Agenda für den Konzernvorstand.

Das Thema vertiefen?

Sie standen vor Ort nicht am Breakout-Tisch — oder möchten die Reihenfolge „Entscheidung → Datenstruktur → System“ auf Ihre eigene Finance-Landschaft übertragen? Sprechen Sie uns an: Wir zeigen Ihnen, wie der Weg zu belastbaren Zahlen mit NetSuite aussieht.